Lage

Stadtteil Dresden-Löbtau –
Wohnqualität erleben

Die Geschichte Löbtaus beginnt mit der Entstehung einer slawischen Siedlung, die bereits 1068 als Liubituwa erstmals erwähnt wurde und zu den ältesten dokumentierten Orten im Elbtal gehört. Archäologische Funde aus der jüngeren Steinzeit belegen jedoch eine deutlich frühere Besiedlung des Gebietes.


Lageplan


Einkaufszentrum und Verkehrsknotenpunkt Kesselsdorfer Straße

Einkaufszentrum und Verkehrsknotenpunkt Kesselsdorfer Straße

Dresden-Löbtau

Der Ortsname ist wahrscheinlich von einem slawischen Personennamen abgeleitet (Leute des Lubeta) und wechselte im Laufe der Zeit über Luptow (1350), Lobethaw (1589) und Loebta (1759) zum heute üblichen Löbtau. Am 28. Oktober 1068 vergab der deutsche König Heinrich IV. zwei Hufen aus seinem Besitz an das Hochstift Meißen. Bis zur Reformation unterstand Löbtau zur Hälfte dem Domkapitel, welches hier 12 Bauernstellen vergeben hatte. Der Bereich südlich des Dorfplatzes gehörte hingegen zum kurfürstlichen Amt Dresden. Trotz seiner Nähe zur Silberstraße und den Mühlen im Weißeritztal blieb Löbtau lange ein Ackerdorf.

Schwer getroffen wurde das strategisch günstig im Vorfeld der Stadt Dresden gelegene Dorf bei kriegerischen Auseinandersetzungen. So brannten im November und Dezember 1428 die Hussiten den Ort vollständig nieder, was sich am 29. März 1638 nach einem Schwedeneinfall wiederholte. Vier Jahre später waren die Löbtauer Fluren Schauplatz von Kämpfen zwischen schwedischen und kaiserlichen Soldaten. Auch im Schlesischen Krieg 1745 und im Siebenjährigen Krieg 1756 – 63 kam es zu Plünderungen und erheblichen Schäden im Ort, während Löbtau in der Napoleonzeit »nur« unter häufigen Einquartierungen zu leiden hatte. Teile der Ortsflur wurden im Zusammenhang mit der Schlacht bei Dresden am 26. / 27. August 1813 in Mitleidenschaft gezogen.

35. Oberschule, Clara-Zetkin-Straße

35. Oberschule, Clara-Zetkin-Straße

Bereits im 16. Jahrhundert begannen Veränderungen im Ort. So ließ Kurfürst Johann Georg IV. 1692 einen Garten mit einem Wasserpalais anlegen, der ab 1702 Reisewitz’scher Garten genannt wurde. Noch wichtiger für die spätere Entwicklung Löbtaus war die Ansiedlung einiger Gewerbebetriebe an der Weißeritz sowie am von dieser abzweigenden Weißeritzmühlgraben.

Begünstigt durch die gesellschaftlichen Veränderungen in Sachsen nach 1830 und durch die Einführung der Gewerbefreiheit im Jahr 1862 wandelte sich das frühere Bauerndorf Löbtau zum Industriestandort. 1857 entstand eine Fabrik zur Herstellung von Portlandzement, 1858 eine Eisengießerei, 1862 die bekannte Schokoladenfabrik Petzold & Aulhorn sowie das Glaswerk der Familie Siemens. Diese neuen Unternehmen siedelten sich bevorzugt entlang der Weißeritz an der Tharandter und Löbtauer Straße an.

In der Gründerzeit war das Dorf mit seinen Fluren aufgrund seiner zentralen Lage besonders geeignet für ein fortschrittliches großstädtisches Bebauungsprojekt. Dieses entwickelte 1875 der junge Landvermesser Emil Ueberall. Das Konzept sollte in den darauf folgenden Jahren beispielhaft werden für die Anlage vieler der noch heute beliebtesten Wohngebiete der Stadt. Es begründete den hervorragenden Ruf von Emil Ueberall als Stadtplaner und Geometer. Grundlage seiner Planung war ein weites Areal, gegliedert durch ein Straßennetz in rechteckigem Raster. Dieses wurde in überwiegend offener Bauweise mit großen Wohnhäusern in würfelförmiger Kubatur (im Volksmund als »Kaffeemühlenhäuser« bezeichnet) auf gleichem Hausabstand und mit gleicher Vorgartentiefe auf den Grundstücken angeordnet.

Grünes Wohnen an der Deubener Straße

Grünes Wohnen an der Deubener Straße

Für Grundstücke und Straßenzüge wurden üppige Begrünungen vorgesehen. So war es möglich, unter optimaler Ausnutzung der Flächen eine große Anzahl von hochwertigen Wohnungen zu schaffen, deren Wohnqualität vor allem durch großzügige Belichtung und die durchgrünten Straßenzüge und Grundstücke geprägt war. Diese Bauweise wurde sogar noch vor der Bebauung Dresden-Striesens eingeführt, wo man erst 5 Jahre später zu dieser Gestaltung überging.

Der Wettbewerb unter den Investoren brachte reich geschmückte Fassaden und kunstvoll gestaltet Einfriedungen hervor. Prägend für viele Gestaltungselemente war die Verwendung des ortstypischen Baustoffes Sandstein. Viele Fassaden wurden aufwändig mit Klinkern verkleidet. Auch auf die opulente Ausstattung und Gestaltung der Gebäude im Inneren legten viele Bauherren Wert.

Zur besonderen Aufwertung der Wohnqualität wurden in die Ueberall’schen Planungen nicht nur großzügige, begrünte öffentliche Anlagen integriert, sondern auch die vorhandenen dörflichen Ansiedlungen und Straßen. So blieb der Ortskern Altlöbtau mit Dorfplatz und Bauernhöfen erhalten, nur die alte Kirche musste einer größeren weichen.

Löbtau gehörte bereits 1890 mit über 12.000 Einwohnern zu den größten Gemeinden Sachsens und war ein Zentrum der Dresdner Arbeiterbewegung. An einige frühere Arbeiterfunktionäre erinnern bis heute Straßennamen. Um die Lebensbedingungen im dichtbesiedelten Löbtau zu verbessern, legte die Gemeinde um 1900 kleinere Parkanlagen am heutigen Conertplatz, am Bonhoefferplatz und am 1945 zerstörten Löbtauer Rathaus an. Am 1. Januar 1903 wurde der Ort mit 39.000 Einwohner als zehntgrößte Landgemeinde Sachsens nach Dresden eingemeindet.

Kindertagesstätte »FunkelDunkelLichtgedicht – Theater-Kita« Badstraße

Kindertagesstätte »FunkelDunkelLichtgedicht – Theater-Kita« Badstraße

Die Luftangriffe des Zweiten Weltkrieges trafen auch die Vorstadt Löbtau schwer. Neben Industrieanlagen, dem Rathaus und der Friedenskirche wurden am 13./14. Februar 1945 weitere Wohngebäude zerstört, vor allem im Bereich um den heutigen Ebertplatz und an der Kreuzung Kesselsdorfer/Tharandter Straße. Auch der bekannte »Drei-Kaiser-Hof« fiel den Bomben zum Opfer. Noch am 17. April 1945 fielen Bomben auf mehrere Industriebetriebe und das Städtische Krankenhaus an der Löbtauer Straße, welches fast vollständig ausbrannte. Für die Opfer der Bombenangriffe befindet sich auf dem Neuen Annenfriedhof eine Gedenkstätte.

Trotz der Kriegsschäden entwickelte sich Löbtau in der Nachkriegszeit zu einem Zentrum des Dresdner Geschäftslebens. So nahm die Kesselsdorfer Straße zeitweise eine Ersatzfunktion für die zerstörten Geschäfte der Innenstadt ein. An der Nossener Brücke entstand 1962/64 ein Heizkraftwerk, welches 1995 durch ein modernes Gasturbinenkraftwerk an der Siebenlehner Straße ersetzt wurde.

1990 begann die schrittweise Rekonstruktion vieler Wohnhäuser, wobei einige Baulücken mit Neubauten geschlossen wurden. 1994 beschloss die Stadt Dresden, Löbtau-Süd zum förmlichen Sanierungsgebiet zu erklären und in das Förderprogramm für städtebauliche Erneuerung aufzunehmen. 2003 wurde dieses auf weitere Teile des Stadtteils erweitert. Das Gebiet um die Kesselsdorfer Straße soll künftig wieder zu einem Einkaufs- und Geschäftszentrum entwickelt werden, was jedoch vor allem eine Lösung der Verkehrsprobleme voraussetzt. Auf den Flächen ehemaliger Gewerbebetriebe und des früheren Kohlebahnhofes an der Freiberger Straße entstand 2007/08 der »Grünzug Weißeritz« als Teil eines künftig bis nach Freital führenden Fuß- und Radweges.


Blick in die Reisewitzer Straße

Blick in die Reisewitzer Straße

Die Reisewitzer Straße

1692 wurde der Reisewitzsche Garten durch Kurfürst Johann Georg IV. angelegt. Auf dem Areal zwischen Tharandter Straße und Weißeritz ließ er für seine Geliebte Magdalena Sibylla von Neitschütz ein Wasserpalais errichten.

Im Jahr 1702 erwarb der kurfürstliche Bergdirektor Johann Wratislaw von Reisewitz das Gelände, der es bis 1709 besaß. Von diesem Besitzer erhielt der Garten seinen Namen. Von 1719 bis 1724 hatte die kurfürstliche Falknerei in dem Reisewitz-schen Garten ihren Sitz. Auch nach erneutem Besitzerwechsel blieb die Anlage wegen ihres Baumbestandes und der romantischen Laubengänge am Flussufer ein beliebtes Ausflugsziel.

Das grüne Band durch Löbtau: der Flusslauf der Vereinigten Weißeritz

Das grüne Band durch Löbtau: der Flusslauf der Vereinigten Weißeritz

Während die Gartenanlage zum Großteil der Be­völkerung offenstand, wurde das Wasserschlösschen ab 1839 von der Gräfin Charlotte von Kielmannsegge bewohnt. Zwischen 1844 und 1856 existierte ein Sommertheater. Außerdem gab es die Gastwirtschaft Starckes Garten, die auch als politischer Versammlungsort Bedeutung hatte. Im Vorfeld der bürgerlich-demokratischen Revolution gab es hier am 4. September 1848 die erste große Massenveranstaltung der Dresdner Demokraten.

Von 1844 bis 1856 wurden in einem Sommertheater Theaterstücke aufgeführt. 1863 verstarb die Gräfin in ihrem Haus. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts musste der Park zugunsten dringend benötigter Wohnhäuser und Fabriken weichen. So entstanden eine Ziegelei, 1869 die Aktienbrauerei Reisewitz und 1897 die Schokoladenfabrik Petzold & Aulhorn. Das Wasserschlösschen und die Falknerei wurden bereits 1891 abgebrochen. Die Brauerei Reisewitz bestand noch bis 1931.

Die Reisewitzer Straße, die von Plauen bis zum Löbtauer Dorfkern führt, erhielt 1874 ihren Namen nach dem hier gelegenen Vorwerk Reisewitz, welches sich im 18. Jahrhundert im Besitz des kurfürstlichen Bergdirektors Johann von Reisewitz befand. Aus dem Vorwerk entwickelte sich später der bekannte Reisewitz’sche Garten mit Theater und Gastwirtschaft.

Löbtau ist kinderfreundlich, grün und lebenswert

Löbtau ist kinderfreundlich, grün und lebenswert

Im Gegensatz zu anderen Löbtauer Straßen war die Reisewitzer Straße ursprünglich als direkte Verbindung zwischen Plauenschem Grund und Elbe konzipiert und wurde deshalb auf 17 Meter Breite ausgebaut. Später verhinderte der Bau der Friedenskirche die vollständige Umsetzung des von Emil Ueberall entworfenen Konzepts, so dass die Straße heute vor der Kirche endet.

Quellen: Dresdner-Stadtteile.de / Wikipedia